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Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Joh 6,37 

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

In meiner Schulzeit war es üblich, dass im Sportunterricht zwei SchülerInnen der Klasse damit beauftragt wurden, SpielerInnen für die Mannschaft auszuwählen. Ich stand meistens als einer der letzten da und wartete darauf, endlich aufgerufen und in eine Mannschaft eingeladen zu werden. Das habe ich immer als Abweisung empfunden – ich dachte, mich will keiner. 

Abweisungen oder Zurückweisungen hat wahrscheinlich jede und jeder von uns schon einmal erlebt: wenn Freundschaften zu Ende gehen. Wenn man nach einer Auseinandersetzung auf den anderen zugeht, dieser aber nicht darauf eingeht. Ein persönlicher Brief, der unbeantwortet bleibt. Eine lapidare Absage auf eine Bewerbung für ein Jobangebot, das man unbedingt ergreifen will. Unser Alltag ist von Abweisungen kleinerer und größerer Art geprägt. 

Die Jahreslosung für das kommende Jahr seht im Johannesevangelium, Kapitel 6,37:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Jesu Botschaft ist klar und unmissverständlich: Jesus steht da mit den offenen Armen seiner Liebe. Er stellt nur eine einzige Bedingung: Der Mensch soll zu ihm kommen, er darf zu ihm kommen.

Keine weitere Bedingung oder Forderung stellt er an uns, kein kleingeistiger Blick nimmt den einen an, und den anderen nicht. Nein, Jesus wählt nicht aus, seine Einladung gilt jedem Menschen unverbrüchlich.

Der Einladung Jesu zu folgen heißt, so zu ihm zu gehen, wie wir sind: mit all unseren Brüchen, Fragen und Zweifeln, mit all unserer Sehnsucht, unserem Suchen und Hoffen, mit all unserer Freude und unserem Hängen am Irdischen. Wir zögern manchmal, im Gebet ehrlich zu sein – aus Angst davor, von Jesus abgelehnt zu werden. So beten wir manchmal „um den heißen Brei herum“. Aber Jesus schaut in die Tiefen unserer Seele, wie schon der Psalmist schreibt: „Du prüfst mich auf Herz und Nieren.“ (Ps 7,10b) Wir können zu ihm kommen mit unseren Anliegen und Gedanken, mit unserem Tun oder Unterlassen. Jesus kennt uns und nimmt uns in seine liebenden Arme. Er wartet auf uns. Er erwartet uns. Damit wir zu ihm kommen. 

Die Art und Weise, wie wir zu Jesus kommen können, ist sehr individuell. Im Gebet können wir spüren, wie er uns in seine liebenden Arme nimmt – das Gebet in tiefempfundener Dankbarkeit und Geborgenheit oder das Gebet unter Tränen und in Klage – Jesus wird es ansehen und uns annehmen. Im Gottesdienst können wir uns ihm nahe fühlen. In der Natur. Bei der täglichen Arbeit. In der Familie. Mit Freunden.

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Jesu Versprechen und Zusage steht mit der Jahreslosung über dem neuen Jahr 2022. Ihm vertrauen wir das neue Jahr an, all unsere Freude und Hoffnung, alle Unwägbarkeiten und Sorgen. 

Ich wünsche Ihnen, dass die Jahreslosung Ihnen Zurüstung für die kommende Zeit ist. 

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pfarrer 
Thilo Neuhaus