Unser neuer Pfarrer stellt sich vor

 

„Bitte fahren Sie nach drei Kilometern ab, danach biegen Sie rechts ab“, so tönte die sonore Stimme aus dem Navigationsgerät, als meine Frau und ich aus München kommend, vor einiger Zeit nach Obernsees und Mengersdorf fuhren. Während wir enge Kurven passierten und auf (für Münchner ungewohnte) Auf- und Abstiege in Richtung Truppachtal durch die wunderschöne Natur fuhren, kam mir ein Lied von Paul Gerhardt in den Sinn:

 

„Geh aus mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.“ (EG 503) 


Dieses Lied von Paul Gerhard drückt für mich die Freude über Gottes gute Schöpfung aus. Gerade jetzt im Sommer und in der kommenden Herbstzeit zeigt sich die Natur in Schönheit und all ihrer Pracht und lädt zum Staunen ein.  Diese Augenblicke des Staunens sind kostbar und geben uns einen Ahnung von Gottes Liebe. Egal, ob wir dieses Staunen auf einer langen Wanderung erleben oder beim spontanen Blick aus dem Fenster während der Arbeit. Dieses Staunen über Gottes Schöpfung ist eine Sache des Herzens, nicht des Verstandes. Paul Gerhardts Lied lädt uns zum Lobe Gottes und zur Dankbarkeit ein.

Zur Dankbarkeit darüber, dass Gott uns durch sein fürsorgliches Handeln umsorgt und trägt. Ohne Gott können wir nichts ausrichten, wir können ihm vertrauen, dass er uns in seiner Liebe umfangen hält.

„so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“ 
(1. Kor 8,6)

Jesus Christus ist es, der uns in dem Vertrauen bestärkt, dass wir in der Liebe Gottes leben. Durch ihn können wir erkennen, wie Gottes Liebe ist und dass wir uns ihr anvertrauen können. Und das ist keine abstrakte Formel, keine Erkenntnis, sondern will von uns gelebt werden. Weil wir uns von Gott getragen wissen, können wir uns dem Leben und den Menschen zuwenden. Dieses Vertrauen darauf, dass in Christus schon alles vollbracht ist, macht uns frei und staunend und lässt uns einstimmen in das Lob Gottes, das wir mit den Worten Paul Gerhardts besingen. Unser Leben hat eine Mitte und ein Ziel in Jesus Christus.

„Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen, so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen, hier und dort ewig dienen.“ (15. Strophe)

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was vor der Abfahrt von der A9 nach Mengersdorf und Obernsees geschah.
So möchte ich mich auf diesem Wege bei Ihnen vorstellen: Mein Name ist Thilo Neuhaus, ich bin 51 Jahre alt und mit meiner Frau Christine Neuhaus verheiratet. Wir haben keine Kinder.
Ab dem 01.09.2020 bin ich für die Kirchengemeinden Obernsees und Mengersdorf Ihr Pfarrer im Probedienst. Geboren wurde ich in Hagen/Westfalen, wo ich mich sofort nach meinem Abitur entschied, Evangelische Theologie zu studieren. Dieses Studium begann ich im Jahre 1989 in Wuppertal und Bochum, mit dem Ziel Pfarrer zu werden. Nach meinem bestandenen Examen war die Stellensituation in der Westfälischen Landeskirche sehr angespannt, sodass keine Möglichkeit bestand, meinen Berufswunsch zu verwirklichen. Daher entschloss ich mich zu einer weiteren Ausbildung zum Buchhändler und fand danach in der Buchhandels- und Verlagsbranche eine berufliche Heimat. Zuerst in Gütersloh, bis meine Frau und ich vor fast acht Jahren für unsere Verlage nach München zogen, um dort in unserer Verlagszentrale, der Verlagsgruppe Random House, zu arbeiten. Zuletzt war ich als Produktmanager für mehrere Verlage tätig. Meine Hauptaufgabe lag in der Vermarktung unserer Bücher; zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich dafür gesorgt, dass unsere Titel auf dem Buchmarkt erfolgreich sein konnten. Dabei habe ich eng mit den Lektoraten und Presseabteilungen zusammengearbeitet, immer Blick behaltend, dass wir über unterschiedliche Kanäle unsere Leser und Leserinnen erreichen. 
Die Arbeit im Verlag hat mir große Freude bereitet, aber im Laufe der Zeit merkte ich doch, dass der Ruf zu meinem ursprünglichen Wunsch, Pfarrer zu werden, immer lauter wurde. So entschloss ich mich nach vielen Gesprächen und Überlegungen, meinen Verlagsjob an den Nagel zu hängen und begann 2018 mein Vikariat in der Andreaskirchengemeinde in München, das ich vor Kurzem abschließen konnte.
Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass ich nun meine erste Pfarrstelle auf Probe bei Ihnen in Obernsees und Mengersdorf antreten darf und freue mich auf zahlreiche Begegnungen mit Ihnen. Ich bin schon sehr gespannt und auch ein wenig aufgeregt.
Wir werden Anfang September nach Mengersdorf ziehen. Meine Frau wird ein paar Tage in der Woche in München sein, um dort weiterhin im Verlag zu arbeiten. 
Ich möchte an dieser Stelle den Kirchenvorständen von Obernsees und Mengersdorf für all die Unterstützung und Offenheit im Vorfeld danken, damit wir hier gut ankommen können. 

Um im Anfangsbild zu bleiben würde die sonore Stimme des Navigationsgerätes nun sagen: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Im Vertrauen darauf, dass Gottes Land die Zukunft ist und er uns entgegenkommt, wo wir den Aufbruch wagen und in seinem Namen unterwegs sind zu den Menschen grüße ich Sie herzlich.

Ihr Pfarrer Thilo Neuhaus